Diese FAQ richtet sich an private und gewerbliche Neueinsteiger in Photovoltaik in Wien und ganz Österreich. Sie erklären Peer-to-peer (P2P) Stromverträge verständlich, praxisnah und SEO-optimiert – mit Fokus auf das ElWG-Regime, regionale Besonderheiten und konkrete Schritte.


Grundlagen zu peer-to-peer Stromverträgen

Was ist ein peer-to-peer Stromvertrag?

  • Kurzdefinition: Ein peer-to-peer Vertrag ist eine direkte Vereinbarung zwischen einem Stromerzeuger (z. B. PV-Anlage in Wien) und einem Verbraucher (z. B. Nachbarbetrieb), um Strom aus erneuerbaren Quellen zu liefern.
  • Ziel: Regionale Direktbelieferung ohne Gründung einer Energiegemeinschaft, mit klaren Preisen, automatischer Abwicklung und Transparenz.
  • Rechtsrahmen: Der neue Rechtsbestand (ElWG-Regime) schafft dafür einen eigenen Rahmen. Details hängen von der endgültigen Gesetzesfassung und den Umsetzungsleitlinien (z. B. E‑Control) ab.
    Energiegemeinschaft Verrechnung Österreich

Wie funktioniert ein peer-to-peer Stromvertrag praktisch?

  • Erzeugung: Deine PV-Anlage produziert Strom und wird über einen Smart Meter erfasst.
  • Zuteilung: Ein Aggregator oder Dienstleister ordnet Mengen automatisiert dem Vertragspartner zu (Matching, Bilanzgruppenzuordnung).
  • Abrechnung: Automatisierte Abrechnung nach vertraglich festgelegten Parametern (Menge, Zeitfenster, Preis).
  • Netznutzung: Wenn Strom über das öffentliche Netz fließt, fallen Netzentgelte und Abgaben an. Das wird in der Abrechnung berücksichtigt.

Wer darf peer-to-peer Strom liefern oder beziehen?

  • Privatpersonen: Mit eigener PV-Anlage (Auf-Dach, Garagenanlage, Carport) und Smart Meter.
  • KMU/EPU: Gewerbliche Erzeuger oder Verbraucher in Wien und Umgebung.
  • Mehrparteienobjekte: Eigentümergemeinschaften können P2P ergänzend einsetzen, sofern Zählpunkte und Verträge klar geregelt sind.
  • Wichtig: Teilnahme setzt vertragliche Berechtigung und technische Anschlussbedingungen des Netzbetreibers voraus.

Rechtliche und regulatorische Aspekte in Österreich

Welche gesetzlichen Anforderungen gelten in Österreich (ElWG-Regime)?

  • Vertragsinhalte: Klar definierte Bedingungen zur automatischen Abwicklung und Abrechnung, inkl. Preis, Zeitfenster, Mengen.
  • Dritte/Aggregatoren: Die Abwicklung kann über Dienstleister erfolgen; das ist in der Praxis üblich.
  • Preisfreiheit: Freie Preisgestaltung zwischen den Parteien; auch € 0 (Schenkung) ist konzeptuell möglich.
  • Zählpunkte: P2P kann auch zwischen Zählpunkten derselben Person genutzt werden (z. B. Haus und Werkstatt).
  • Transparenz & Meldungen: Marktkommunikation, Bilanzgruppenmanagement und Datenübermittlung müssen geregelt sein; häufig übernimmt das ein Aggregator.

Fallen Netzentgelte und Steuern an?

  • Netzentgelte: Ja, sobald Strom das öffentliche Netz nutzt, fallen Netz-, System- und Abgabenkomponenten an – sie werden automatisch in der Abrechnung berücksichtigt.
  • Steuern: Je nach Fall können USt, ESt/KöSt und EEG‑Umlagen/Abgaben relevant sein. Bei Privatpersonen mit Kleinanlagen sind Grenzwerte und Steuervereinfachungen zu beachten. Kläre das mit Steuerberatung bei gewerblicher Nutzung.

Brauche ich Genehmigungen oder Anzeigen?

  • Netzbetreiber: Anzeigen für besondere Modelle (z. B. gemeinsame Energienutzung, technische Änderungen) sind üblich.
  • Zählpunkt-/Metering: Smart Meter Pflicht für verlässliche Zeitreihen und Abrechnungen.
  • Datenschutz: Vertrags- und Datenverarbeitungsvereinbarungen (DSGVO, Rollen von Aggregatoren) sind zu dokumentieren.

Technik, Messung und Abwicklung

Welche Technik brauche ich für P2P Stromverträge?

  • Smart Meter: Zeitvariable Messung (15‑min oder stündlich) als Basis für exakte Zuteilung.
  • Kommunikation: Zählpunkt-IDs, EDM-Daten und Schnittstellen für Marktkommunikation (stellt meist der Aggregator bereit).
  • Monitoring: Portal oder App zur Echtzeit‑Sicht auf Erzeugung, Verbrauch, Zuteilung und Abrechnung.
  • Optional: Lastmanagement (z. B. Wärmepumpe, E‑Auto) zur Optimierung der Eigen- und P2P‑Nutzung.

Wer übernimmt Bilanzgruppen und Abrechnung?

  • Aggregator/Dienstleister: Üblicherweise übernimmt ein Bilanzgruppenverantwortlicher oder Energie‑Dienstleister die Zuordnung, Meldungen und Abrechnung.
  • Selbst machen? Als EPU/KMU ist das theoretisch möglich, praktisch aber nicht empfehlenswert. Outsourcing reduziert Aufwand und Risiken.

Wie erfolgt die Preisbildung?

  • Fixpreis: Fester Preis je kWh über definierten Zeitraum (z. B. 12 Monate).
  • Indexpreis: Variabel (z. B. Spotmarkt‑Index) plus/oder Mindestpreis.
  • Zeitvarianten: Peak/Off‑Peak, Day‑ahead, Wochenendtarife.
  • Wichtig: Preise müssen Netzentgelte und Abgaben berücksichtigen, wenn Netznutzung stattfindet.

Wirtschaftlichkeit, Risiken und Vorteile

Rechnet sich peer-to-peer Strom in Wien?

  • Vorteile: Höherer Erlös als Standard‑Einspeisetarife, Direktbeziehung zum Abnehmer, regionale Wertschöpfung.
  • Kosten: Aggregator‑Gebühren, Messkosten, eventuelle Grundgebühren. Überschaubar, wenn gut strukturiert.
  • Optimierung: Kombiniere P2P mit Eigenverbrauch, Speicher und Lastmanagement (z. B. E‑Mobilität).


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Welche Risiken gibt es?

  • Regulatorik: Änderungen im ElWG‑Regime und untergeordnete Verordnungen können Details beeinflussen.
  • Volatilität: PV‑Erzeugung schwankt – vertragliche Flex‑Klauseln (Mengenbänder, Ausgleichsmechanismen) sind sinnvoll.
  • Abnehmer‑Risiko: Bonität und Zahlungsverhalten des Abnehmers prüfen; Vertrag mit Sicherheiten/Deposits.
  • Daten/IT: Datenschutz, Schnittstellenstabilität und Datenqualität sicherstellen.

Was sind die konkreten Vorteile gegenüber Energiegemeinschaften?

  • Einfachheit: Keine Gründung einer Gesellschaft/Community nötig.
  • Flexibilität: Direktvertrag zwischen zwei Parteien; schnelle Anpassung.
  • Skalierung: Für Einsteiger und kleine Anlagen oft schneller umsetzbar als eine EEG/BEG/GEA.

Wann ist eine Energiegemeinschaft besser?

  • Mehrparteien‑Vernetzung: Wenn mehrere Haushalte oder Betriebe gemeinsam produzieren/verbinden wollen.
  • Förderlogik: Manche Förderungen oder Netzentgelt‑Vorteile sind an EEG/BEG gebunden.
  • Langfristige Struktur: Für Quartierslösungen oder Gewerbeparks kann eine Community die robustere Governance bieten.

Umsetzung in Wien: Schritt für Schritt

Wie starte ich als neue/r PV‑Kundin/Kunde in Wien?

  • Projekt scoping: Ziele definieren (Eigenverbrauch, P2P‑Verkauf, Speicher, E‑Mobilität).
  • Technik klären: PV‑Anlage + Smart Meter; ggf. Speicher, Lastmanagement.
  • Partner wählen: Aggregator/Dienstleister für Abwicklung und Abrechnung.
  • Verträge aufsetzen: P2P‑Vertrag mit klaren Konditionen (Preis, Zeitfenster, Mengen, Abgaben).
  • Netzbetreiber koordinieren: Anzeige/Abstimmung zu Messung, Zählpunkten, besonderen Nutzungsarten.
  • Monitoring aufsetzen: Portal/App für Transparenz, Abrechnungen und Optimierung.

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Was kostet mich das als EPU/KMU?

  • Einmalig: Vertragsgestaltung, Onboarding beim Aggregator, ggf. Rechtsprüfung (überschaubar).
  • Laufend: Aggregator‑Fee, Messdatenservice, Abrechnungsservice (typisch niedrig bis moderat).
  • Gesamtbild: Kein „Mega‑Aufwand“. Mit einem guten Dienstleister ist das operativ leicht beherrschbar.

Vertragsgestaltung und Best Practices

Welche Klauseln sollten in einen guten P2P‑Vertrag?

  • Preisregel: Fix, Index, Mindestpreis; Netzentgelte/Abgaben klar ausgewiesen.
  • Mengenregel: Zeitfenster, Bänder, Flex‑Mechanismen, Umgang mit Minder‑/Mehrmengen.
  • Abwicklung: Aggregator‑Rolle, Datenquellen, Abrechnungszyklus, Zahlungsziel.
  • Compliance: DSGVO, Technische Anschlussbedingungen des Netzbetreibers, Haftung.
  • Laufzeit/Kündigung: Laufzeit, Sonderkündigung bei Gesetzesänderung, Force majeure.

Brauche ich einen Speicher?

  • Nicht zwingend, aber wirtschaftlich oft sinnvoll:
  • Eigenverbrauch erhöhen, P2P‑Lieferfenster glätten, Abhängigkeit vom Wetter reduzieren.

Tipp: In Wien lohnt sich ein Speicher besonders bei gewerblichen Lastprofilen mit Tages‑Peak. Kombiniere P2P mit Lastmanagement (z. B. gesteuertes Laden).


Häufige Szenarien in Wien

Kann ich Strom an meinen Nachbarnbetrieb verkaufen?

  • Ja, wenn der Vertrag sauber geregelt ist, Smart Meter vorhanden sind und die Netznutzungsregeln eingehalten werden. Der Stromfluss kann über das öffentliche Netz erfolgen; Entgelte/Abgaben werden in der Abrechnung berücksichtigt.

Kann ich P2P mit zwei eigenen Standorten nutzen (z. B. Büro und Lager)?

  • Ja, Transfers zwischen eigenen Zählpunkten sind konzeptionell zulässig – hilfreich für Eigenoptimierung über Standorte hinweg.

Ist P2P mit Direktleitungen kombinierbar?

  • Ja, konzeptionell ergänzen sich die Modelle:
  • Direktleitungen für physisch verbundene Standorte mit klarer Leitung.
  • P2P für vertragliche Zuteilung ohne eigene Leitung. In beiden Fällen müssen Abgaben/Entgelte korrekt behandelt werden.

Fazit und nächste Schritte

  • Peer-to-peer Stromverträge machen regionale Direktbelieferung in Wien und Österreich praxisnah und attraktiv – besonders für neue PV‑Kundinnen und Kunden.
  • Mit Smart Meter, Dienstleister/Aggregator und klarem Vertrag ist die Umsetzung kein Großprojekt.
  • Für die beste Wirtschaftlichkeit: Eigenverbrauch maximieren, Preisregel sauber wählen und Lastmanagement nutzen.