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Intersolar 2026: Bidi-Laden, Großspeicher & Agri-PV – mein Messe-Nachbericht

Grosspeicher Container auf der Intersolar - Batteriespeicher (BSS) sind im Trend

München, 23.–25. Juni 2026 · Eine Einordnung von Andreas Mössenlechner, TÜV-zertifizierter PV-Sachverständiger

Drei Tage auf der weltgrößten Solarmesse – und am Ende bleiben nicht einzelne Produkte hängen, sondern vier große Linien. Hier mein Blick auf das, was sich 2026 durchsetzen wird. Was heißt das für Investoren im PV Sektor, die in Österreich, Deutschland, Schweiz bei der nächsten Welle dabei sein möchten?

1. Bidirektionales Laden ist vom Pilot zum Produkt geworden

Das auffälligste Signal der Messe: Das bidirektionale Laden hat den Pilotstatus verlassen. Es gab eine eigene Sonderschau nur für dieses Thema – und ein komplettes Spektrum an Lösungen, vom Fahrzeug, das das eigene Haus versorgt (V2H), bis zum Fahrzeug, das ins Netz zurückspeist (V2G).

Die bidirektionale Wallbox von Kostal
Die bidirektionale Wallbox von Kostal

Technisch zeichnen sich zwei Wege ab: leistungsstarke DC-Wallboxen auf der einen, günstigere AC-Lösungen auf der anderen Seite – jeweils mit anderen Kosten- und Wirkungsgrad-Profilen. Getragen wird das Ganze von offenen Standards (ISO 15118-20, OCPP, EEBUS) und von der Regulierung. In Österreich ist das der Rahmen des „aktiven Kunden“ nach dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) ab Oktober. Wer heute eine Wallbox plant, sollte die Frage „welches Fahrzeug, welcher Standard“ vor der Hardware-Auswahl beantworten – sonst passt am Ende beides nicht zusammen.

2. Speicher werden größer – und vielfältiger

Der zweite Trend ist Skalierung in beide Richtungen. Nach oben: containerisierte Großspeicher im Megawattstunden-Bereich, fertig konfektioniert als geschlossenes, skalierbares System inklusive Wechselrichter und Transformator. Speicher wird damit zum Investitionsgut, nicht zur Einzelkomponente – ein Punkt, der für Gewerbe- und Industriestandorte zunehmend wichtig wird.

Spannend ist die Diversifizierung der Zellchemie: Neben dem etablierten Lithium-Eisenphosphat (LFP) rücken Natrium-Ionen- und salzbasierte Ansätze nach – ernstzunehmende Alternativen für den stationären Bereich. Parallel dazu ein klarer Re-Shoring-Trend: Zellfertigung „Made in Europe“, was sich mit der europäischen Komponente der österreichischen Förderlogik deckt.

Grosspeicher Container auf der Intersolar - Batteriespeicher (BSS) sind im Trend
Ein Megawatt Großspeicher für Photovoltaik Projekte in Europa aus Asien

3. PV wächst in die Fläche und an die Fassade

Photovoltaik ist längst nicht mehr nur Dachsache. Sichtbar wurde der Doppelnutzen: Module, die gleichzeitig eine zweite Funktion erfüllen. Fassaden-PV erschließt Flächen, wenn das Dach fehlt oder belegt ist. Solarzäune mit beidseitig aktiven (bifazialen) Modulen liefern Ertrag und dienen zugleich als Sichtschutz oder Grundstücksgrenze.

Fassaden PV und Photovoltaik Zaun

Auf der Fläche ist Agri-PV das große Thema: die kombinierte Nutzung von Acker- oder Weidefläche und Stromerzeugung. Für Österreich besonders relevant, weil im Osten – in Niederösterreich und im Burgenland – die Flächenkonkurrenz das eigentliche Thema ist. Großflächige Agri-PV-Projekte im zweistelligen Megawatt-Bereich werden dort bereits realisiert. Das ist kein Zukunftsthema mehr, sondern gelebte Praxis.

Schafe weiden unter aufgeständerten Solarmodulen als Beispiel für Agri-PV mit Tierhaltung
Agri-PV verbindet Landwirtschaft und Stromerzeugung – Doppelnutzung statt Flächenkonkurrenz.

4. Was oft übersehen wird: die Dienstleistungsschicht

Der für mich wichtigste, weil unterschätzte Trend: Rund um Technik und Module professionalisiert sich eine ganze Dienstleistungsschicht. Betrieb und Wartung (O&M) werden automatisiert – Reinigungsroboter und -drohnen, autonome Mäher, digitale Vermessung. Vor allem aber wird Anlagenqualität messbar: professionelle Mess- und Prüftechnik liefert die Datenbasis, auf der unabhängige Zustandsbewertungen aufsetzen.

Dazu kommen spezialisierte Versicherungs- und Finanzierungslösungen für erneuerbare Energien – und ein Thema, das in Österreich bisher kaum jemand besetzt: die Cybersecurity von PV-Anlagen. Wer Anlagen als Investition betrachtet, kommt an unabhängiger Bewertung, Versicherbarkeit und Finanzierung nicht vorbei. Genau hier liegt der Wert einer neutralen, herstellerunabhängigen Begutachtung.

Professionelle Mess- und Prüftechnik für Photovoltaik

Mein Fazit

Bidirektionales Laden als Serienprodukt, Speicher als skalierbares Investitionsgut, PV in Fläche und Fassade, und eine reifende Dienstleistungsschicht: Diese vier Linien zeigen einen Markt, der erwachsen wird. Für Österreich entscheidend ist weniger die einzelne Technologie als die saubere Planung dahinter – passende Standards, belastbare Wirtschaftlichkeit und eine unabhängige Bewertung, die nicht am Verkauf einer bestimmten Marke hängt.


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