Gaspreise 2026 in Österreich: Stand 23. Juli – Iran-Konflikt weiter ungelöst
Aktualisiert: 23. Juli 2026
Kurzfassung
Nach einer Verschnaufpause im Juni ist der Gaspreis Ende Juli erneut steil nach oben geschossen – parallel zur neuerlichen Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Der Waffenstillstand vom April wurde Anfang Juli von beiden Seiten faktisch für hinfällig erklärt. Die Kämpfe gehen weiter, Vermittler (zuletzt Katar) verhandeln über eine Beruhigung an der Straße von Hormus. Der Markt hatte sich zwischenzeitlich beruhigt, reagiert nun aber wieder deutlich auf die Zuspitzung der Lage.
Aktuelle Zahlen (Stand 23.07.2026)
- Day-Ahead-Gaspreis Börse: 63,17 €/MWh – nach einem Tief von rund 42–43 €/MWh Mitte Juni ein Anstieg von knapp 50 % innerhalb weniger Wochen, mit dem stärksten Sprung in der letzten Juli-Woche.
- Day-Ahead-Strompreis Börse: 134,60 €/MWh, mit Ausschlägen bis über 190 €/MWh im Lauf des Sommers – ein direkter Reflex des Gaspreises.
- Rohölpreis (Spot): 76,13 €/Barrel, ebenfalls seit dem Tief Ende Juni (rund 61 €) spürbar im Steigen.
- Österreichischer Gaspreisindex (ÖGPI, alte Methode): 218,87 Punkte im Juli-Schnitt – noch vor dem jüngsten Preissprung berechnet, +21,4 % gegenüber Juli 2025.
- Haushaltspreise: Neuverträge lagen zuletzt bei 8–10 ct/kWh brutto, Bestandstarife bei 13–19 ct/kWh. Bei anhaltendem Aufwärtstrend an der Börse ist mit einer Weitergabe an Endkund:innen in den kommenden Monaten zu rechnen.
- Netzentgelte: österreichweit +18,2 % gegenüber 2024, in einzelnen Bundesländern (Kärnten, Niederösterreich) deutlich mehr.
Einordnung: Der Verlauf seit Mai zeigt ein Muster: Preis pendelt sich im Mai/Juni bei 42–50 €/MWh ein, während der Waffenstillstand nominell noch hielt – und schießt ab der Eskalation Anfang Juli (Trump erklärt Waffenruhe für beendet, tote US-Soldaten, US-Vergeltungsschläge) wieder scharf nach oben. Der jüngste Sprung auf über 63 €/MWh liegt damit bereits über dem bisherigen Jahres-Peak vom 3. März (56,79 €/MWh) und deutlich über dem April-Wert von 53,88 €/MWh – die Krise ist also nicht abgeklungen, sondern hat ein neues Jahreshoch erreicht.
Quellen: Day-Ahead-Charts Gas/Strom/Öl (Börsendaten, Stand 23.07.2026), Österreichische Energieagentur (Gaspreisindizes), Selectra Gaspreisentwicklung, E-Control.
Rückblick: Vom Ausbruch bis heute
- 26.02.2026: Day-Ahead-Preis bei 33 €/MWh, kurz vor erneutem Aufflammen des Konflikts.
- 28.02.2026: Neue militärische Eskalation zwischen den USA/Israel und dem Iran.
- 03.03.2026: Preis springt auf 56,79 €/MWh – ein Anstieg von über 60 % in wenigen Tagen.
- 08.04.2026: Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und dem Iran unterzeichnet. Day-Ahead-Preis zu diesem Zeitpunkt bei 53,88 €/MWh.
- April/Mai 2026: Waffenruhe bleibt brüchig, vereinzelte Vorfälle, Preis pendelt sich bei rund 47–48 €/MWh ein.
- Ende Juni 2026: Erste Angriffe auf Teheran seit Wochen, iranische Führung stellt Einhaltung der Waffenruhe infrage.
- Anfang Juli 2026: Zwei getötete US-Soldaten bei iranischem Raketenangriff auf eine Basis in Jordanien, ein weiterer im Nordirak. US-Vergeltungsschläge gegen Einheiten der Revolutionsgarden. Trump erklärt den Waffenstillstand für beendet. Gaspreis lag zu diesem Zeitpunkt noch bei rund 43–45 €/MWh.
- 20.–21. Juli 2026: Vermittlungsversuche laufen weiter – Katar bringt einen Vorschlag für einen regulierten Schifffahrtskorridor durch die Straße von Hormus ein. Vermittler drängen auf eine neue, zehntägige Waffenruhe. Meldungen über Beschuss eines Tankers im Roten Meer sowie neue Explosionen in Teheran. Verteidigungsminister Hegseth beziffert die bisherigen Kriegskosten der USA auf 37,5 Mrd. USD (zuvor 29 Mrd. USD).
- 22.–23. Juli 2026: Gaspreis springt auf 63,17 €/MWh, Strompreis auf 134,60 €/MWh, Rohöl auf 76,13 €/Barrel – der stärkste Anstieg seit dem ursprünglichen Ausbruch im Februar/März.
Iran-Konflikt: Status heute
Der Konflikt ist fünf Monate nach Ausbruch (Februar 2026) nicht beendet, sondern in eine Phase permanenter Unsicherheit übergegangen: keine offene Vollkriegsführung, aber auch kein stabiler Frieden. Trump hat zuletzt keine feste Frist für ein iranisches Verhandlungsangebot gesetzt, signalisiert aber Bereitschaft, eine Waffenruhe um wenige Tage zu verlängern. Irans Chefunterhändler Ghalibaf macht einen vollständigen Waffenstillstand von der Aufhebung der US-Seeblockade abhängig. Trump selbst erklärte, die Straße von Hormus sei für den Handelsverkehr offen – ein Signal, dass die zentrale Öl- und Gasroute bislang nicht vollständig blockiert ist, was die relative Preisberuhigung mit erklärt.
Für die Gasmärkte heißt das: Der katarische Korridor-Vorschlag zeigt, wie ernst die Sorge um die Straße von Hormus mittlerweile genommen wird. Ob die Route weiterhin passierbar bleibt, ist derzeit die entscheidende Variable für die Preisentwicklung – und genau diese Unsicherheit hat sich in den letzten Tagen in einem deutlichen Preissprung niedergeschlagen.
Gaspreis und Strompreis
Der Strompreis bleibt eng an den Gaspreis gekoppelt. Die Netzentgelte und CO₂-Bepreisung (55 €/Tonne) wirken zusätzlich preistreibend, unabhängig vom Konfliktgeschehen. Für Gewerbebetriebe verschärft das die Kalkulationsunsicherheit für die kommenden Quartale – vor allem für energieintensive Prozesse, bei denen Lastspitzen einen überproportionalen Anteil an der Stromrechnung ausmachen.
Gewerbe Strompreis Monitor – E-Control
Was das für Haushalte und Betriebe bedeutet
Der jüngste Sprung zeigt: Auch nach fünf Monaten Konflikt ist keine Beruhigung eingetreten, sondern jederzeit ein neuer Ausschlag möglich – nach oben wie, bei erfolgreicher Vermittlung, auch wieder nach unten. Wer nur auf Entspannung wartet, plant gegen ein Risiko, das politisch nicht kontrollierbar ist. Für Betriebe mit relevantem Stromverbrauch wird die Reduktion der Abhängigkeit von Spotmarktpreisen – über Eigenverbrauchsoptimierung, Lastspitzenkappung und eigene Erzeugung – zunehmend zu einer betriebswirtschaftlichen statt einer ideologischen Frage.

Quelle: WIFO – Energiedaten für Österreich
sowie